Mit der jüngsten Generation von Linux-Betriebssystem wird es schwer für Oracle: Praktisch jede Distribution hat von OpenOffice.org auf den Ableger LibreOffice gewechselt, weil die Zukunft des Mutterprojekts ungeklärt ist. Mit der neuen Version des Büropakets schafft LibreOffice noch mehr Abstand zur Konkurrenz.
OpenOffice.org gehört neben dem freien Betriebssystem Linux zu den bedeutendsten Open-Source-Anwendungen überhaupt. Doch das Büropaket verliert immer mehr an Boden, nachdem Oracle die Firma Sun Microsystems übernommen hat und eine chaotische Open-Source-Politik an den Tag legt. Mit der neuen Version 3.4 geht LibreOffice seinem Mutterprojekt nun erstmals vorweg, statt als bloßer Ableger zu fungieren.
Es war eigentlich geplant, dass LibreOffice 3.4 bereits am ersten Juli erscheinen sollte. Die Entwickler liegen nun leicht hinter ihrem selbst geplanten Versionszyklus, während bei OpenOffice.org eine neue Version derzeit nicht absehbar ist. Nach der Ankündigung von Oracle, das eigene Büropaket nach dem Vorbild von LibreOffice in ein unabhängiges Projekt zu überführen, ist die Entwicklung an OpenOffice.org 3.4 offenbar eingestellt – jedenfalls nennt das offizielle Projektwiki derzeit kein bestimmtes Erscheinungsdatum mehr.
Der sogenannte Release Candidate von LibreOffice 3.4, der bereits alle neuen Funktionen der Office-Suite enthält, kann derzeit auf der Projektseite heruntergeladen werden. Wie gewohnt gibt es eine Version für Windows 2000 und Mac OS X 10.4 Tiger oder neuer, sowie DEB- und RPM-Pakete für diverse Linux-Betriebssysteme. Jede Version kann ganz nach Belieben des Nutzers als 32- oder 64-Bit-Paket geladen werden. Im Gegensatz zu OpenOffice.org gibt es bei LibreOffice 3.4 keine eigenständigen Sprachausgaben, sondern die englischsprachige Hauptversion muss durch einen sogenannten Language Pack erweitert werden. Der Nutzer muss also immer zwei Dateien herunterladen, was geringfügig mehr Aufwand für ihn bedeutet.
Nach dem Start präsentiert sich LibreOffice 3.4 in der gewohnten Oberfläche – wer gravierende Änderungen daran erwartet, wird von der neuen Version sicher enttäuscht sein. Die lange angekündigte Überholung des Designs, die sich auch am OpenOffice-Ableger Lotus Symphony orientieren soll, dürfte erst mit LibreOffice 4 erfolgen. Stattdessen haben die Entwickler die neue Ausgabe dazu genutzt, hauptsächlich an Details zu arbeiten: So sind etwa Nummerierung und Listenpunkte in LibreOffice Writer jetzt auch in griechischen Zeichen möglich. Eine neue Funktion erlaubt Schlagschatten für ganze Textseiten und lässt sich darüber hinaus auch noch farblich anpassen. Bei Spalten- und Fussnoten-Trennlinien unterstützt LibreOffice nun die Farbauswahl sowie Linienstile, was die Kompatibilität des Büropakets mit dem ODF-Dateistandard verbessern soll.
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Das Komponenten für Präsentationen, LibreOffice Impress, bringt einen neuen HTML-Export mit. Dieser erzeugt nun für jede Seite der Präsentation eine Vorschaugrafik, die auf der Startseite der HTML-Ausgabe erscheint. Damit sind die erzeugten HTML-Präsentationen wesentlich übersichtlicher und schöner anzusehen. Apropos Optik: Da LibreOffice seit Ubuntu 11.04 auch das bevorzugte Büropaket der beliebten Linux-Distribution ist, haben die Programmierer die Integration in die Unity-Oberfläche verbessert. So unterstützt LibreOffice 3.4 nun beispielsweise die globale Menüleiste, die in Anlehnung an Mac OS X gestaltet wurde.
Mit der neuen Version befreit sich LibreOffice von zahlreichen Altlasten: Es wurden nach eigenen Angaben über 50.000 Zeilen toter Quellcode entfernt, der niemals ausgeführt wird aber die Geschwindigkeit der Anwendung stark beeinträchtigt. Außerdem wurde die Abhängigkeit von Java reduziert, da einige Funktionen in der Programmiersprache C++ neu geschrieben wurden, etwa für die Speicherung flacher ODF-Dateien.
LibreOffice 3.4 ist keine große Revolution und bietet nur wenige neue Funktionen, ermöglich den Entwicklern aber nun eine nachhaltige Weiterentwicklung des Büropakets. Mit der neuen Version legen Sie die Grundlage dafür, dass mit LibreOffice 3.5 – oder wie auch immer die Versionsnummer dann lautet – wieder mehr auf neue Funktionen und Bedienbarkeit geachtet werden kann. Die Fertigstellung von LibreOffice 3.5 ist im Moment der Februar 2012 vorgesehen, bis dahin kann sich jedoch noch einiges am Zeitplan ändern.
Markus Franz
http://www.netzwelt.de/news/86961_2-libreoffice-3-4-deutlicher-vorsprung-gegen-openoffice-org.html
