Bio von Micha

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Revolte der jungen Italiener

Gute Ausbildung – ja und? Italien hat eine der höchsten Jugend-Arbeitslosenquoten. Und wer eine Stelle bekommt, verdient oft wenig und ärgert sich mit befristeten Verträgen herum. Viele junge Italiener flüchten ins Ausland – andere demonstrieren gegen die Regierung Berlusconi.

Italien hat einen neuen Buhmann: Verwaltungsminister Renato Brunetta. Zum Verhängnis wurde ihm ein Auftritt in Rom, bei dem – davon sind die Italiener überzeugt – mit ihm ein Regierungsmitglied sein wahres Gesicht zeigte. Als eine junge Frau aufs Podium kam, sich als Arbeitslose outete und eine Erklärung vom Minister verlangte, da verließ Brunetta den Saal und schimpfte: “Sie stehen für das mieseste Italien.”

Es rumort im Land, die Unzufriedenheit wächst – und das liegt nicht nur am umstrittenen Regierungschef Silvio Berlusconi und seinen Skandalen. Es ist vor allem die Perspektivlosigkeit der jungen Italiener, die dem Land bald ähnliche Auseinandersetzungen wie in Griechenland oder Spanien bescheren könnte.
“Ich erwarte eine Antwort!”

Als Minister Brunetta nach seinem peinlichen Abgang in seiner Dienstlimousine davonrollen wollte, stellten sich ihm die jungen Arbeitslosen in den Weg. “Ich erwarte eine Antwort!”, schrie einer. “Wollen sie mich überfahren?” Der Minister trat die Flucht nach vorne an. Augen zu und durch, scheint auch das Motto der italienischen Regierung angesichts der prekären Arbeitsmarktsituation zu sein.

“Nach sieben Jahren mit befristeten Verträgen habe ich immer noch keine Übernahmegarantie. 700 Euro im Monat. Keine Ferien, keine Rechte, keine Zukunft, kein Respekt”, schimpft ein Demonstrant. 60 Prozent der 18- bis 29-jährigen Italiener verdienen weniger als 1000 Euro. 30 Prozent haben gar keinen Job. Bleiben noch zehn Prozent, die eine feste Stelle und ein einigermaßen anständiges Einkommen haben. Emilio Sabatino aus Rom zählt nicht dazu: “Ein Forscher verdient 800 Euro.”

Gute Ausbildung, schlechtes Einkommen

800 Euro? So viel kostet in Rom allein schon die Wohnung. Das Wort Prekariat ist in Italien entstanden, um diese Lebensumstände zu beschreiben: eine gute Ausbildung und ein schlechtes Einkommen. Und deswegen ergreifen viele junge Italienerinnen und Italiener einfach die Flucht. “Wir haben hervorragende Leute”, sagt ein Demonstrant. “Die werden die besten Mediziner, die besten Professoren für Kunstgeschichte – aber in Kanada, in den USA, in Frankreich und Deutschland, nicht hier. Das ist natürlich ein Verlust für dieses Land.”

Am Aufschwung nach der Krise kann Italien kaum partizipieren. Das Wirtschaftswachstum ist schwach, und selbst im reichen Norden wird es für junge Leute immer schwieriger, eine richtige Stelle zu finden.
“Alles geht vor die Hunde”

Die Politik tut ihr übriges, um Italien im europaweiten Vergleich alt aussehen zu lassen: Gerade wurden tausende Lehrerstellen gestrichen – das trifft wieder junge Berufsanfänger. Für Emilio Sabatino gibt es einen Schuldigen an der Misere: Silvio Berlusconi. “Er ist mit großen Programmen und Versprechen gewählt worden”, sagt er. Aber tatsächlich sei nichts passiert: “Italien steht still. Was das Wachstum betrifft sind wir in Europa auf einem der hinteren Plätze. Der Wirtschaft geht es schlecht, und alles geht vor die Hunde.”

Am vergangen Wochenende haben die Italiener den Aufstand geprobt und Berlusconi im Atom-Referendum eine herbe Niederlage beschert, die ihn mehr schmerzen dürfte als jede Massendemonstration. Angezettelt haben das vor allem junge Leute, die über das Internet die Wähler mobilisiert haben. Die Botschaft an Berlusconi ist klar: Wir wehren uns.

–>Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom:
http://www.tagesschau.de/ausland/italienproteste108.html


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